Kalkbreite ist 2000 Watt Areal

2000-Watt-Areal Kalkbreite

Die Genossenschaft Kalkbreite versteht Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip für ihre Projekte und damit als integralen Bestandteil der gesamten Planungs-, Realisierungs- und Betriebsprozesse. Nachhaltigkeit ist kein «Nice to have», sondern integraler Bestandteil unseres Engagements. Aus diesem Grund hat sich die Genossenschaft auch in ihren Statuten zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen, sozial, wirtschaftlich und ökologisch zu leben.

Seit Januar 2017 ist der Wohn- und Gewerbebau Kalkbreite als eines von nur fünf Arealen in der Schweiz zertifiziert als „2000 Watt-Areal im Betrieb“.

Die Kalkbreite erzielte dabei mit einem Erfüllungsgrad von 78 Prozent den besten Wert aller geprüften Areale. Das Zertifikat muss alle vier Jahre erneuert werden. Im Lauf der Zertifizierung werden die fünf Teilbereiche Gebäudeerstellung und –betrieb, Ver- und Entsorgung, Mobilität, Management-System und Kommunikation/Kooperation spezifisch geprüft und bewertet.

Kalkbreite ist 2000 Watt Areal

Claire Comte, Geschäftsführerin der Genossenschaft Kalkbreite (Mitte, mit Zertifikat), Thomas Sacchi, Nachhaltigskeitsberater sowie Regula Steiner von der Bewohner*innengruppe „Leicht leben“ nahmen im September 2017 das Zertifikat für das „2000-Watt-Areal Kalkbreite“ entgegen (beide rechts).

Bewertung der fünf Teilbereiche

Kommunikation & Kooperation

In diesem Bereich erzielte die Kalkbreite Spitzenwerte, was auf die besonderen partizipativen Strukturen der Genossenschaft zurückzuführen ist. Die Bewohner*innen und Gewerbetreibenden können an regelmässig stattfindenden Veranstaltungen, den Gemeinräten, ihre Anliegen einbringen und diskutieren.

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Management-System

Da das Areal Kalkbreite im Vergleich zu anderen Areal klein ist und nur von einem Eigentümer – der Genossenschaft Kalkbreite – betrieben wird, fällt die Bewertung im Bereich Management-System ebenfalls gut aus.

Mobilität

Im Bereich Mobilität hingegen mussten Punkteeinbussen hingenommen werden, die in einer autofreien Siedlung wie der Kalkbreite eigentlich nicht erwartet wurden. Sie sind mit folgenden Erkenntnissen zu erklären: Neben der Anzahl Auto- und Fahrradparkplätzen und weiteren Zusatzkriterien wie beispielsweise dem Vorhandensein einer Velowerkstatt fliesst auch eine Befragung der Mieter*innen zu ihrem Mobilitätsverhalten in die Beurteilung ein. In Bezug auf die Bewohner*innen hat die Kalkbreite hier gut abgeschnitten. Für die Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, die rund 40 Prozent der Fläche belegen, sah die Zertifizierung indessen keine Befragung vor. Es wurde auf den schweizerischen Durchschnittswert zurückgegriffen. Dies führt zu einer Verzerrung der Ergebnisse, die nicht ganz der Realität entsprechen, da in der Kalkbreite auch Gewerbetreibende und ihre Angestellten dazu verpflichtet sind, kein Auto für ihre Arbeitswege zu benützen. Diese Schwachstelle im Bewertungsverfahren für Gewerbebauten wurde bei der Zertifizierung erkannt und fliesst nun in die weitere Entwicklung der Beurteilungskriterien für 2000-Watt-Areale im Betrieb ein.

Gebäude

Aufgrund der sorgfältigen Begleitung der Nachhaltigkeitsziele bereits während der Planungs- und Bauphase wurden im Bereich Gebäude gute Werte erreicht.

Versorgung & Entsorgung

Den tiefsten Wert erreichte die Kalkbreite im Bereich Ver- und Entsorgung, was vor allem auf Faktoren zurückzuführen ist, die unter anderen Gesichtspunkten auch positiv gewertet werden. So produziert die Kalkbreite nur etwa 15 Prozent des Allgemeinstroms über die eigene Photovoltaik-Anlage, dafür aber stehen grosse Teile der Dachflächen als Aussenanlagen den Bewohner*innen offen und sind nicht durch solche Anlagen verbaut. Oder aber es wird nur ein geringer Teil an Regenwasser gesammelt, dies, weil ein Anteil der Dachflächen Grünflächen sind, die als Retentionsflächen dienen und nicht bewässert werden, auf denen aber auch kein Wasser gesammelt werden kann.

Partizipation als Erfolg

Die Genossenschaft Kalkbreite ist stolz auf das gute Ergebnis dieser Zertifizierung und ist überzeugt, dass sie dazu beiträgt, dass Modell Kalkbreite mit einem Fokus auf vielfältige Nachhaltigkeitsmerkmale sowie ausgeprägte Partizipationsmöglichkeiten für Bewohner*innen und Gewerbetreibende weiter bekannt zu machen und so neue, zukunftsgerichtete Projekte zu fördern. Die Genossenschaft erwägt, auch für das Neubauprojekt Zollhaus eine Zertifizierung als 2000-Watt-Areal anzustreben.

Weitere Informationen zur Partizipation

Was ist die 2000-Watt-Gesellschaft?

Im globalen Vergleich verbraucht ein Mensch pro Jahr 17500 Kilowattstunden Energie. Dies entspricht einer kontinuierlichen Leistung von 2000 Watt. Momentan liegt der durchschnittliche pro-Kopf-Verbrauch in der Schweiz bei etwa 5000 Watt, in der Stadt Zürich bei 4000 Watt. In afrikanischen und asiatischen Ländern verbrauchen die Menschen nur einen Bruchteil davon. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft strebt einen Ausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern an und ermöglicht damit allen Menschen einen guten Lebensstandard. Ziel ist die langfristige Reduktion des Verbrauchs um rund ein Drittel auf 2000 Watt. Die 2000-Watt-Gesellschaft ist Ziel der Stadt Zürich und der Genossenschaft Kalkbreite.

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Der Wohn- und Gewerbebau Kalkbreite hat eine ökologisch wegweisende Gebäudehülle, eine sehr effiziente Haustechnik, ein gutes Mobilitätskonzept und einen suffizienten Flächenverbrauch. Dies sind gute Voraussetzungen zum im Bereich Wohnen und vom Wohnen induzierte Mobilität die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen. Damit dies gelingt, liegt es aber an jeder einzelnen Person, das eigene Verhalten zu hinterfragen, sich politisch für die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft einzusetzen und tatsächlich nachhaltig zu leben.

Weitere Informationen

Was kann ich persönlich beitragen zur Erreichung einer nachhaltigen und zukunftsgerichteten 2000-Watt-Gesellschaft?