Zollgarten Visualisierung

12.06.2018Ideenworkshop Zollgarten

Das Projekt Zollgarten geht in die zweite Runde. Nachdem an der Veranstaltung vom 14. Mai 2018, die am Zollgarten angrenzenden Bauprojekte vorgestellt und Rahmenbedingungen für die Bespielung erläutert wurden, konnten ein Monat lang schriftlich Ideen für die Nutzung Zollgarten eingereicht werden. Am Workshop vom 12. Juni 2018 wurden sie diskutiert und in Beziehung zueinander gesetzt, mit dem Ziel, gemeinsam ein möglichst breites und buntes Nutzungskonzept zu skizzieren. Rund 40 Interessierte trafen sich nur einen Steinwurf vom zukünftigen Zollgarten entfernt im Lokal «L-200», um ihre Projekte und Ideen gemeinsam zu diskutieren.

  • Zollgarten Visualisierung Zollgarten Visualisierung
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  • Workshop Zollgarten Ideenworkshop zum Zollgarten vom 14. Juni 2018.

Ein bunter Strauss von Nutzungsideen

In einer kurzen Einführung erläuterte Nina Schneider, Projektleiterin Nutzung & Partizipation für das Zollhaus, die eingereichten Ideen. «Die Nutzungsideen können nach fünf Oberthemen geordnet werden: Nutzgarten, Spiel und Sport, Kultur, Gastronomie und Quartierpark» sagte sie. «Möglich ist eine Unterteilung der Fläche in verschiedene Zonen, aber auch ein buntes Durcheinander von Aktivitäten, die sich flächenmässig und inhaltlich ergänzen. Ziel des Workshops ist es, die Nutzungen und das Layout anhand von Visualisierungen zusammen zu überprüfen. Wir fragen uns auch, welche Terrainanpassungen und Erschliessungen wünschbar sind.» Dann sprudelten die Ideen und Jordi Riegg von Rombo GmbH setzte sie live in einer Computersimulation des Zollgartens um. So erlebten wir unmittelbar, wie der Raum sich je nach Nutzungsmix entwickelt und verändert. Neben verschiedenen Ansätzen von Urban Gardening wurde diskutiert, welche Bauten es braucht, um den Garten vielfältig zu nutzen: Einem Bahnwagen, einen Baucontainer, einen Schopf, Dächer oder eine Bühne? Wie viel davon soll vorgegeben werden und was im Betrieb mit den Nutzenden entstehen? Was wünschen Jugendliche, Kinder, Künstler*innen oder Anwohner*innen? Kann und soll hier ein Marktplatz entstehen?  Am Ende fand ein Input aus dem Verein Stadiongarten grossen Anklang: «Unsere Erfahrung zeigt, dass Leute, die sich engagieren und nicht nur konsumieren wollen, es sehr schätzen, einen undefinierten und niederschwelligen Raum zu haben, der sich noch entwickeln lässt.»

Gastronomie im Garten

Schnell kristallisierte sich auch heraus, dass sich die Fraktion der Sport- und Spielbegeisterten zurückgezogen hatte und die verschiedene Gastronomieideen kontroverse Gefühle wecken. Die Mehrheit der Teilnehmenden wünschten sich den Zollgarten als Ort ohne Konsumzwang, als Ort, der dem Nichtkommerziellen und dem Eigenengagement eine Nische bietet. Der Bedarf an gastronomischen Angeboten werde von den anliegenden Überbauungen HB Nord und Zollhaus, der Amboss Rampe und zahlreichen Lokalen im Quartier und an der Langstrasse mehr als abgedeckt. Vorstellbar wären allerdings temporäre, ergänzende Verpflegungsangebote für kulturelle Veranstaltungen.

Auswirkung auf die Umgebung

Im zweiten Teil des Workshops wurden die Anwesenden eingeladen Plädoyers für ihre favorisierten Nutzungen zu halten. Dabei verdichteten sich folgende Thesen:

  • der Zollgarten soll ein möglichst niederschwelliger Treffpunkt, Kunst- und Kulturort sowie ein Quartiergarten sein,
  • er wird so weit möglich unter Mitwirkung der Interessierten erstellt,
  • auf eine finanziell und baulich aufwändige, vollflächige Terrainanpassung soll verzichtet werden,
  • der Terrainsprung kann als durchlässige Grenze zwischen dem öffentlichen Strassenraum und dem halböffentlichen Garten dienen,
  • die Terraingestaltung mit Zugängen zum Zollgarten soll, sofern möglich, dem Entstehen einer «Strassenschlucht» zwischen Hauptbahnhof und Langstrasse mittels einer spielerischen Öffnung entgegenwirken,
  • grössere Gastronomie- und Marktnutzungen sollen, wenn irgend möglich, auf der für den motorisierten Verkehr gesperrten Strasse stattfinden,
  • der Zollgarten soll unter Mitwirkung von engagierten Personen kontinuierlich wachsen.

Das Projektteam nimmt diese Anregungen mit und wird vor der Planauflage Zollstrasse auch beim Tiefbauamt nochmals sondieren, ob im Kontext Zollgarten eine temporäre oder definitive Sperrung der Zollstrasse zwischen Acker- und Klingenstrasse denkbar ist.

Mitwirkung von A bis Z

«Ziel des Workshops war es, einen Eindruck vom Ideenfundus und Engagement der Interessierten pro Nutzungsthema zu erhalten» sagt Nina Schneider. «Nun können wir schon besser abschätzen, wie viele Personen sich auch in Zukunft für den Zollgarten einsetzen werden. Die Genossenschaft Kalkbreite ist bereit, die Koordination der Realisierung und des Betriebs zu verantworten. Im Betrieb ist das unentgeltliche Engagement von Freiwilligen aber unumgänglich.»

Bis im Herbst 2018 erarbeitet das Projektteam, in Absprache mit der Eigentümerin SBB, eine Projektskizze, eine Kostenschätzung, ein Betriebskonzept und einen Finanzierungsplan und wird darauf die Erkenntnisse und Pläne öffentlich vorstellen.

Zu unseren Veranstaltungen

Text: Valérie Clapasson & Nina Schneider