Teilen als Fundament
Räume, Ressourcen und Verantwortung zu teilen, schafft Halt und fördert Zugehörigkeit. Diese Überzeugung ist in unseren Grundwerten angelegt: Die Genossenschaft wandelt Besitz in geteiltes Gut. Daraus entsteht Gemeinschaft. Willkommen zum Jahresbericht 2025.
Wenn wir heute in die Welt schauen, ist vieles in Veränderung, im Wandel und in Bewegung. Politische Spannungen, Krisen und Unsicherheiten prägen unseren Alltag und verstärken das Bedürfnis nach Stabilität, Verlässlichkeit und Orientierung. 2025 war ein Jahr, in dem die Welt spürbar aus den Fugen geraten ist.
Inmitten dieser Unbeständigkeit wird deutlich, wie wertvoll Orte sind, die Halt geben, die einfach da sind und zuverlässig gehütet, bespielt und mit Leben gefüllt werden: gemeinschaftliche Räume, die nicht jeden Trend mitmachen, sondern von Beziehungen, Verantwortung und gegenseitiger Unterstützung leben. Gerade hier zeigt sich, was die Genossenschaft Kalkbreite ausmacht: ein Ort, der auf Solidarität aufbaut, auch wenn sich vieles um uns herum rasant verändert. Ein Ort, an dem Teilen als Prinzip gelebte Tradition ist – das Teilen von Raum, von Ressourcen, von Verantwortung.
Genau hier setzt unser Titelthema an. Unsere Häuser und Räume, unsere Flex-Meetingräume und Guesthouses werden nicht nur genutzt, sondern gemeinsam getragen: Wohnraum, Arbeitsorte, gemeinschaftliche Flächen und kulturelle Angebote entstehen aus der Idee, dass Teilen mehr ermöglicht als Besitzen. Es schafft Zugänge, fördert Austausch und macht aus einzelnen Nutzungen ein lebendiges Ganzes. In der Kalkbreite und im Zollhaus wird dieses Prinzip täglich sichtbar. Im Grossen wie im Kleinen.
Teilen als Dialog im Spannungsfeld unserer Werte
Das Jahr hat uns herausgefordert mit Entscheidungen, die wir nicht auf die leichte Schulter nahmen. Die ausserordentliche Generalversammlung zur Darlehensforderung gegenüber dem uns lieb gewordenen Kino in der Kalkbreite war ein steiler Einstieg. Viele unserer Mitglieder haben sich ernsthaft mit den Fragen auseinandergesetzt und die Diskussionen zeigten, dass die Werte, die unserem Handeln zugrunde liegen, tragfähig sind und uns in unseren Entscheidungen leiten.
Wirtschaftliche Verantwortung und solidarisches Handeln prägten den Entscheid, den wir fortan in den Büchern mittragen. Für uns wurde deutlich, dass wir uns verstärkt mit den uns zugrundeliegenden Werten auseinandersetzen möchten. Sind das noch die Werte, die die Anfänge unserer Genossenschaft prägten oder haben sich diese im Wachstum verändert? Haben die Weltlage und die politische Herausforderung unsere Grundwerte erschüttert oder gar verstärkt?
Genau das wollten wir von euch wissen und haben mit einem Online-Fragebogen gefragt: Was ist euch an der Kalkbreite wichtig? Welche Werte haltet ihr hoch? Was macht uns aus? Wo setzen wir uns ein? Aus den vielen Rückmeldungen entstand eine Grundlage für ein gemeinsames Verständnis unserer genossenschaftlichen Ausrichtung, eine Vision, die diesem Jahresbericht beiliegt. Der Prozess, lieferte nicht nur Antworten, sondern eröffnete auch neue Fragen. Im Grundsatz waren sich alle einig, wir wollen eine Genossenschaft sein, die sich positioniert, die zum Dialog über Stadt und Stadtleben beiträgt. Formate wie «Bright! Dialog mit Format» oder die «Plattform Leepünt» in Dübendorf schufen Räume für Austausch über Fragen der Wohnpolitik, des Wohnens als Grundrecht und des städtischen Zusammenlebens – auch über die Stadtgrenzen hinaus.
Teilen heisst auch Reibung und gemeinsames Lernen
Die parallelen Prozesse von Wachstum, Betriebsentwicklung und intensivierten Mitwirkungsformaten führten zu Spannungen und Zielkonflikten – ein Ergebnis von dichtem Leben, dem wir Raum für Dialog boten. Immer wieder zeigte sich, dass der Austausch, das Gespräch und die gemeinsame Diskussion zu Lösungen führen, die wir manchmal nicht erwartet haben, die jedoch von allen mitgetragen werden.
Belastung zeigte sich auch in den diversen Mängeln der beiden Siedlungen, die von den Mietenden Geduld und Ausdauer abverlangten. Der Zustand der Fassade in der Kalkbreite, die Herausforderungen mit den Fenstern im Zollhaus, alle kleineren und grösseren Mängel, die behoben werden wollten, waren für alle Beteiligten aufwändig und belastend. Umso mehr gilt unser Dank an dieser Stelle den Mieter*innen für ihre Nachsicht und konstruktive Zusammenarbeit sowie den Projektleiter*innen für ihren unermüdlichen Einsatz.
Die Eröffnung des lang ersehnten Kinderkletterturms auf der Gleisterrasse, das Zollstrassefäscht, ein Tag und eine Nacht des Feierns mit den Nachbar*innen und der Stadt, die Erweiterung des Angebots der Kalkucina mit einem offenen Mittagstisch oder der Besuch von Christoph Faulhaber, dessen langfristiges Kunstprojekt die Kalkbreite seit über einem Jahrzehnt begleitet und uns schlussendlich in die bestgehüteten Schliessfächer der Zürcher Kantonalbank brachte – all das zeigt die lebendige und erfreuliche Seite des Jahres 2025. Und wenn es mal weniger gut läuft, dann ist neben euch Genossenschafter*innen ein tolles Team zur Stelle. Dieses unterliegt – wie die Welt, wie die Stadt, wie die Genossenschaft selbst – ebenfalls der Veränderung: Im Jahr 2025 verabschiedeten wir uns von Barbara Zibell, Martin Schick, Lukas Meier und Manuel Suess; wir danken euch für euer wertvolles Engagement. Neu willkommen heissen wir neben Ary Marques da Silva, Peter Balazs und Selamanit Araya auch 183 neue Genossenschafter*innen.
Die freudigen Momente vermischten sich manchmal mit den Herausforderungen. Das Schöne mit dem Bitteren. Was wir mitnehmen aus diesem Jahr, ist: Wir teilen die Erfahrungen und lernen gemeinsam.
Teilen beginnt beim Zugang
Zum Ende des Jahres durften wir unsere Website neu aufschalten – inhaltlich geschärft entlang der drei Bereiche «Bauen, Leben und Besuchen». So machen wir die drei prägenden Säulen unserer Genossenschaft sichtbar. Unsere statuarische Kernaufgabe liegt im Bauen und Betreiben von preisgünstigen Wohn- und Gewerberaum. Unsere Vision ist jedoch das Teilen. Wir teilen unsere Räume mit allen, die urbane Räume neu denken und gemeinsam gestalten wollen. So entsteht zwischen Wohnen, Gewerbe und Kultur ein lebendiges Miteinander. Denn Teilen schafft Möglichkeiten und gibt Halt.
2025 war kein Jahr der einfachen Antworten. Es war ein Jahr der Reibung und des gemeinsamen Lernens. Wir danken allen, die sich mitgeteilt, mitgedacht, mitdiskutiert, mitgearbeitet und mitgetragen haben – und wir freuen uns auf das, was wir gemeinsam weiterbauen.
Der Vorstand
Carlo Metz, Co-Präsidium
Lars Koch
Laszlo Blaser
Michaela Pöschik
Monika Saxer
Ramon Wespe
Sabina Ruff, Co-Präsidium
Tobias Häne